Nachdenklicher Spaziergang im goldenen Abendlicht

Mit 49 neu anfangen #3: Warum ich diesmal nicht wieder alles gleichzeitig machen will

Wenn ich ehrlich bin, kenne ich dieses Muster ziemlich gut: Ich habe eine Idee, bin begeistert, sehe plötzlich tausend Möglichkeiten – und am liebsten würde ich sofort alles gleichzeitig umsetzen. Neue Seite, neues Produkt, neue Inhalte, neue Plattform, neue Planung, neue Struktur. Wenn ich einmal Feuer gefangen habe, fällt es mir schwer, nur an einer Sache zu arbeiten. Dann fühlt sich fast alles wichtig an, und weil ich schnell sehe, was noch möglich wäre, wird aus einem nächsten Schritt ganz leicht eine komplette Großbaustelle.

Genau das möchte ich bei meinem Neustart diesmal anders machen. Nicht, weil ich plötzlich geduldiger geworden wäre – das wäre gelogen. 😅 Sondern weil ich inzwischen ziemlich genau weiß, was passiert, wenn ich versuche, fünf Dinge gleichzeitig nach vorn zu bringen: Ich bin ständig beschäftigt, aber am Ende ist vieles angefangen und wenig wirklich fertig. Mit 49 neu anzufangen bedeutet für mich deshalb nicht nur, neue Dinge zu beginnen. Es bedeutet auch, anders mit meiner Energie, meinen Ideen und meiner Ungeduld umzugehen.

Ich habe schon oft angefangen

Die Idee, mir online etwas Eigenes aufzubauen, begleitet mich nicht erst seit gestern. Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder Dinge ausprobiert, angefangen, verworfen, neu gedacht und wieder von vorn begonnen. Daran ist nicht alles schlecht. Im Gegenteil: Ich habe dadurch viel gelernt. Ich weiß heute deutlich besser, was mir liegt, was mich langweilt, was ich nur spannend finde, solange es neu ist, und woran ich wirklich über längere Zeit arbeiten kann.

Trotzdem sehe ich im Rückblick auch ein Muster. Oft war nicht die Idee das Problem, sondern die Menge. Sobald eine Sache interessant wurde, kamen drei weitere dazu. Statt erst etwas aufzubauen, bis es wirklich stand, habe ich schon wieder über die nächste Möglichkeit nachgedacht. Dadurch entstand ständig Bewegung – aber nicht unbedingt Fortschritt.

Vielleicht kennst du das auch. Manchmal fühlt sich viel anfangen fast produktiver an als eine Sache ruhig zu Ende zu bringen. Es passiert ständig etwas: Man recherchiert, plant, sortiert, entwickelt und verbessert. Nur irgendwann merkt man, dass das meiste davon noch nicht wirklich draußen ist.

Diesmal möchte ich etwas anderes lernen: bleiben

Das klingt erstaunlich unspektakulär, ist für mich aber wahrscheinlich eine der größten Veränderungen überhaupt: Ich möchte bleiben. Bei einer Idee, bei einem Konzept, bei einem Weg lange genug, um überhaupt herauszufinden, was daraus werden kann.

SAHAMA ist dafür gerade mein größtes Übungsfeld. Es wäre unglaublich einfach, ständig neue Richtungen aufzumachen. Es gibt so viele Themen, die mich interessieren, so viele Möglichkeiten für Produkte, Inhalte, Tools und Ideen. Genau deshalb brauche ich inzwischen eine viel klarere Entscheidung darüber, was jetzt dran ist – und was warten darf.

Mein Fokus ist im Moment bewusst kleiner: Blog, Pinterest, Newsletter und nach und nach die Produktwelt. Nicht zehn Plattformen. Nicht jeden Trend mitnehmen. Nicht gleichzeitig einen Podcast, einen YouTube-Kanal und fünf neue Angebote starten, nur weil ich theoretisch könnte. Das fühlt sich manchmal fast zu wenig an – aber vielleicht ist genau das der Punkt.

Nicht alles, was möglich ist, muss jetzt passieren

Ich merke immer wieder, wie schnell mein Kopf aus einer Idee eine neue Aufgabe macht: „Das könnte man auch noch machen“, „Eigentlich wäre das auch sinnvoll“ oder „Vielleicht müsste ich zusätzlich …“. Und schon wächst die Liste.

Früher hätte ich daraus wahrscheinlich geschlossen, dass ich besonders motiviert bin. Heute versuche ich genauer zu unterscheiden: Ist das wirklich der nächste sinnvolle Schritt – oder nur eine weitere interessante Möglichkeit? Das ist ein großer Unterschied.

Eine Möglichkeit darf existieren, ohne sofort umgesetzt zu werden. Eine gute Idee wird nicht automatisch schlecht, nur weil ich sie auf später verschiebe. Und ich muss nicht jede Chance nutzen, nur damit ich nichts verpasse. Das klingt logisch. In der Praxis fällt mir das deutlich schwerer. Aber genau diese Fähigkeit möchte ich lernen.

Ich will nicht mehr jeden Tag meine Richtung wechseln

Ein Teil meines alten Musters war auch, dass ich Entscheidungen sehr schnell wieder infrage gestellt habe. Wenn etwas nicht sofort funktioniert hat, kam die nächste Frage: Ist das überhaupt richtig? Sollte ich etwas anderes machen? Gibt es nicht einen besseren Weg?

Das Problem daran ist: Manche Dinge brauchen schlicht Zeit. Ein Blog wächst nicht in drei Wochen. Pinterest zeigt nicht nach fünf Pins zuverlässig, ob eine Strategie funktioniert. Ein Newsletter braucht Leserinnen. Ein Produkt braucht Entwicklung, Rückmeldungen und Verbesserung.

Wenn ich die Richtung ständig ändere, kann ich nie herausfinden, ob der Weg funktioniert hätte. Deshalb versuche ich heute, nicht jeden langsamen Tag als Signal zu interpretieren, dass alles falsch ist. Langsam ist nicht automatisch falsch, Unklarheit bedeutet nicht automatisch, dass ich neu anfangen muss, und ein Tag ohne sichtbares Ergebnis bedeutet nicht, dass nichts passiert.

Mein neues Kriterium: Was bringt SAHAMA wirklich weiter?

Ich versuche meine Aufgaben inzwischen an einer ziemlich einfachen Frage zu prüfen: Bringt das SAHAMA gerade wirklich weiter – oder beschäftigt es mich nur? Das ist manchmal unangenehm ehrlich.

Denn natürlich kann man Stunden damit verbringen, Farben zu verändern, Kleinigkeiten zu verschieben, neue Tools zu testen oder immer wieder die perfekte Planung zu bauen. Es fühlt sich nach Arbeit an. Aber nicht alles davon verändert wirklich etwas.

Manche Dinge sind nötig. Andere sind Beschäftigung in hübscher Verpackung. Mein Fokus soll deshalb stärker auf den Dingen liegen, die langfristig etwas aufbauen: gute Inhalte, klare Seiten, hilfreiche Werkzeuge, ein Newsletter, Produkte, die wirklich nützlich sind, und Wege, über die Menschen SAHAMA überhaupt finden können. Das bedeutet nicht, dass alles andere unwichtig ist. Es bedeutet nur, dass nicht alles gleichzeitig Priorität haben darf.

Weniger gleichzeitig heißt nicht weniger ambitioniert

Das musste ich selbst erst verstehen. Wenn ich mich auf weniger Dinge konzentriere, fühlt sich das manchmal an, als würde ich kleiner denken. Als müsste ich mehr machen, wenn ich wirklich etwas erreichen möchte.

Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Weniger gleichzeitig bedeutet, einer Sache endlich genug Aufmerksamkeit zu geben, damit sie wachsen kann. Es bedeutet, nicht jeden Tag neu bei null anzufangen. Es bedeutet, dass aus Ideen tatsächlich etwas Fertiges entstehen kann. Und es bedeutet auch, meine Energie nicht permanent auf zehn offene Baustellen zu verteilen.

Ich möchte weiterhin groß denken. Ich möchte nur nicht mehr versuchen, alles, was ich mir vorstellen kann, heute umzusetzen.

Was ich gerade bewusst nicht mache

Dieser Teil fällt mir fast schwerer als jede To-do-Liste. Denn „nicht machen“ fühlt sich schnell nach verpasster Chance an. Aber genau deshalb möchte ich es bewusst benennen.

Im Moment muss ich nicht auf jeder Plattform aktiv sein. Ich brauche nicht sofort zehn Produkte. Ich muss nicht jeden Bereich von SAHAMA gleichzeitig ausbauen. Ich muss nicht jeden Tag eine neue Idee umsetzen, nur weil sie mir gerade gefällt. Und ich muss auch nicht alles sofort perfekt haben.

Manches darf wachsen, während es schon existiert. Das ist wahrscheinlich einer der größten Unterschiede zu früher. Ich möchte nicht mehr monatelang an etwas arbeiten, bis es in meinem Kopf endlich „fertig genug“ ist. Ich möchte lieber eine gute Version veröffentlichen, beobachten, lernen und weiterentwickeln. Auch das ist Fokus.

Mein Neustart braucht keine Dauerüberforderung

Es wäre ziemlich absurd, ein neues Leben aufzubauen und dabei genau die Überforderung zu reproduzieren, aus der ich eigentlich herauswill. Wenn ich mir mehr Selbstbestimmung wünsche, aber mein eigenes Projekt so plane, dass ich ständig unter Druck stehe, habe ich zwar die Form verändert – aber nicht unbedingt das Gefühl dahinter.

Deshalb gehört zu meinem Neustart inzwischen auch die Frage: Wie möchte ich arbeiten? Nicht nur: Was möchte ich erreichen?

Ich möchte konzentriert arbeiten können. Ich möchte Phasen haben, in denen ich richtig eintauche. Ich möchte aber auch nicht permanent das Gefühl haben, dass noch hundert Dinge auf mich warten. Ich werde sicher nicht plötzlich zu einem völlig gelassenen Menschen, der jede Aufgabe mit Zen-Ruhe erledigt. Dafür kenne ich mich zu gut. 😅 Aber ich kann zumindest anfangen, meine Arbeit so zu strukturieren, dass meine eigene Ungeduld nicht jeden Tag das Steuer übernimmt.

Drei Fragen, die mir gerade helfen

Wenn wieder zehn Ideen gleichzeitig auftauchen, versuche ich mich auf drei Fragen zurückzuholen:

  1. Was ist gerade mein eigentliches Ziel? Nicht das Ziel für irgendwann, sondern für die nächsten Wochen.
  2. Welche Aufgabe bringt mich diesem Ziel wirklich näher? Nicht welche Aufgabe interessant ist, sondern welche tatsächlich etwas voranbringt.
  3. Was darf warten? Diese Frage ist inzwischen fast die wichtigste. Denn wenn alles Priorität hat, hat am Ende nichts Priorität.

Ich bekomme das nicht jeden Tag perfekt hin. Aber ich merke, dass allein diese Unterscheidung schon etwas verändert.

Vielleicht bedeutet Neuanfang manchmal auch, weniger neu anzufangen

Dieser Gedanke gefällt mir inzwischen ziemlich gut. Früher hätte ich einen Neustart wahrscheinlich vor allem mit neuen Dingen verbunden: neue Pläne, neue Projekte, neue Routinen, neue Ziele.

Heute denke ich, dass ein echter Neustart manchmal genau das Gegenteil braucht: nicht wieder alles neu, sondern etwas auswählen und dabei bleiben. Nicht noch mehr Möglichkeiten öffnen, sondern einer Möglichkeit eine echte Chance geben. Nicht ständig nach dem besseren Weg suchen, sondern den gewählten Weg lange genug gehen, um überhaupt etwas über ihn herauszufinden.

Vielleicht ist das gerade eine der wichtigsten Veränderungen in meinem eigenen Projekt.

Wo ich im Moment stehe

SAHAMA ist noch im Aufbau. Es gibt schon vieles, auf das ich wirklich stolz bin, und gleichzeitig liegt noch einiges vor mir. Die Website steht, die neue Struktur wird immer klarer, Inhalte wachsen, Werkzeuge sind entstanden und die nächsten Produkte nehmen langsam Form an.

Ich weiß noch nicht, wie schnell daraus etwas Tragfähiges wird. Ich weiß auch nicht, welche Ideen später besonders gut funktionieren werden. Aber ich weiß inzwischen ziemlich genau, was ich nicht mehr möchte: jeden Monat eine neue Richtung anfangen, weil die vorige noch nicht schnell genug Ergebnisse gebracht hat.

Diesmal möchte ich sehen, was passiert, wenn ich dranbleibe – nicht perfekt und nicht stur, aber lange genug.

Mein nächster Schritt

Für die nächsten Wochen bedeutet das für mich vor allem: Inhalte veröffentlichen, Pinterest konsequent aufbauen, den Newsletter weiterentwickeln und die nächsten Produkte Schritt für Schritt erstellen. Und wenn zwischendurch wieder eine neue großartige Idee auftaucht – was ziemlich sicher passieren wird –, darf sie erst einmal irgendwo notiert werden. Nicht jede Idee braucht sofort einen Platz in meinem Kalender.

Vielleicht ist genau das meine Aufgabe für diesen Neustart: nicht weniger neugierig zu sein, sondern meiner Neugier beizubringen, dass sie nicht jedes Mal eine neue Baustelle eröffnen muss.

Wenn du meine Neustartreise von Anfang an verfolgen möchtest, findest du auf der Projektseite „Mit 49 beschlossen, mit 50 neu anzufangen“ alle Beiträge der Reihe. Und wenn du selbst gerade das Gefühl hast, zu viele Dinge gleichzeitig verändern zu wollen, passt auch der Beitrag „Kleine Veränderungen, die dein Leben wirklich leichter machen“. Denn manchmal ist der nächste Schritt nicht, noch mehr anzufangen – sondern erst einmal herauszufinden, was gerade wirklich dran ist.

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