Mit 49 neu anfangen #8: Meine Veränderung bekommt einen festen Platz
Zeit für mich fest einplanen – das klingt eigentlich ganz einfach. Man nimmt den Kalender, sucht eine freie Stunde und trägt sie ein. Fertig.
In der Realität funktioniert es bei mir nicht ganz so leicht. Denn selbst wenn ich theoretisch Zeit für mich habe, bedeutet das noch lange nicht, dass ich diese Zeit auch wirklich bewusst für mich nutze. Meistens finde ich irgendetwas, das ich währenddessen noch erledigen, nachsehen, planen oder weiterdenken kann.
Im letzten Beitrag dieser Reihe habe ich darüber geschrieben, warum für alles Zeit ist – nur für mich selbst oft nicht. Inzwischen habe ich gemerkt, dass es bei mir nicht nur daran liegt, dass mein Alltag voll ist. Es liegt auch daran, dass es mir erstaunlich schwerfällt, einfach einmal nichts tun zu müssen.
Selbst meine erste Tasse Kaffee ist selten nur eine Pause
Meine erste Tasse Kaffee am frühen Morgen ist mir verdammt wichtig. Es ist ein Moment, auf den ich mich freue. Besonders an den warmen Tagen bin ich manchmal mit meiner Tasse auf den Balkon gegangen. Draußen war es noch dunkel, alles war still, und für einen kurzen Augenblick hatte ich das Gefühl, dass die Welt noch gar nichts von mir wollte.
Eigentlich wäre das der perfekte Moment, um einfach dort zu stehen oder mich hinzusetzen, meinen Kaffee zu trinken und diese Ruhe zu genießen.
Manchmal gelingt mir das auch. Aber häufig mache ich schon wieder mehrere Dinge nebenbei. Ich schaue etwas nach, denke über den Tag nach, beantworte eine Nachricht oder überlege, was ich als Nächstes für SAHAMA machen möchte. Mein Körper trinkt Kaffee, während mein Kopf längst wieder bei den nächsten Aufgaben ist.
Mich einfach hinzusetzen und bewusst zu entspannen, gehört nicht unbedingt zu meinen besonderen Talenten. Ich muss fast immer irgendetwas tun.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sich jedes Tun für mich anstrengend anfühlt. Wenn ich gestresst bin, setze ich mich häufig an den Computer und arbeite an SAHAMA. Für andere mag das nach zusätzlicher Arbeit klingen. Für mich ist es oft pure Entspannung.
Ich entwickle etwas, gestalte Seiten, schreibe Gedanken auf und sehe, wie aus meinen Ideen langsam etwas Eigenes entsteht. Dabei kann ich vieles um mich herum vergessen. SAHAMA gibt mir Kraft und ist ein wichtiger Teil meines Neustarts.
Trotzdem bleibt auch das eine aktive Tätigkeit. Ich erschaffe etwas, treffe Entscheidungen und denke über das Projekt nach. Es ist eine Zeit, die mir guttut – aber sie ist nicht ausschließlich dafür da, mich selbst wahrzunehmen.
Ein fester Termin für meine Veränderung
Mit The Portal ist nun etwas Neues dazugekommen. Es ist eine dreiwöchige Online-Reise, in der es unter anderem um Identität, Energie, Manifestation, Embodiment und unbewusste Muster geht.
Dafür gibt es feste Termine. Am Wochenende finden sie morgens statt, unter der Woche teilweise am Abend. Diese Termine trage ich mir nicht nur irgendwie im Hinterkopf ein. Ich reserviere die Zeit bewusst und sage auch meinen Kindern, dass das jetzt meine Zeit ist.
Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit. Für mich ist es aber mehr als nur ein Termin für einen Onlinekurs.
Ich nehme mir damit Zeit, um mich mit mir selbst zu beschäftigen. Nicht mit der Website, nicht mit der nächsten Aufgabe und nicht mit dem, was andere gerade von mir brauchen. In dieser Zeit geht es darum, hinzuschauen: auf meine Gedanken, meine Reaktionen und auf Muster, die sich in meinem Leben immer wiederholen.
Genau deshalb möchte ich diese Termine nicht einfach irgendwo zwischen meine anderen Aufgaben schieben. Sie sollen einen richtigen Platz bekommen.
Zeit für mich fest einplanen – ohne eine neue Pflicht daraus zu machen
Natürlich werde ich nicht jeden Termin live wahrnehmen können. Es gibt weiterhin meinen Alltag, meine Kinder und Verpflichtungen, die sich nicht einfach ausblenden lassen. Manchmal überschneiden sich Termine oder etwas Unvorhergesehenes kommt dazwischen.
Früher hätte ich daraus schnell ein Alles-oder-nichts-Denken machen können: Wenn ich nicht live dabei sein kann, habe ich es eben nicht richtig gemacht. Wenn ich einen Termin verpasse, funktioniert mein ganzer Plan nicht mehr.
Genau das möchte ich dieses Mal anders machen.
Die Termine werden aufgezeichnet. Wenn ich einmal nicht live dabei sein kann, nehme ich mir anschließend bewusst die Zeit für die Aufzeichnung. Vielleicht noch am selben Abend, vielleicht am nächsten Tag. Entscheidend ist nicht, dass ich einen perfekten Plan lückenlos einhalte. Entscheidend ist, dass ich zu mir und zu meinem Vorhaben zurückkehre.
Ein fester Termin muss nicht bedeuten, dass ich mich unter Druck setze. Er bedeutet, dass mein eigenes Anliegen nicht jedes Mal als Erstes aus dem Kalender verschwindet.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
Ich möchte kein neuer Mensch werden
Wenn man sich mit persönlicher Entwicklung beschäftigt, klingt es manchmal so, als müsste man sich vollständig neu erfinden. Als wäre die bisherige Version von einem selbst nicht gut genug und müsste durch eine bessere, stärkere oder erfolgreichere Version ersetzt werden.
Das möchte ich nicht.
Ich möchte kein komplett neuer Mensch werden. Ich möchte Sandra bleiben – mit meiner Kreativität, meiner Neugier, meinen verrückten Ideen, meiner Ungeduld, meiner Stärke und auch mit den Seiten an mir, die nicht immer einfach sind.
Aber natürlich gibt es auch bei mir Verhaltensweisen und alte Muster, die mich bremsen. Manche Gedanken tauchen so automatisch auf, dass ich sie kaum noch hinterfrage. Manche Reaktionen wiederholen sich, obwohl ich längst spüre, dass sie mir nicht mehr guttun. Und an einigen Stellen nehme ich Dinge hin, bei denen ich inzwischen denke: Nein, das möchte ich nicht für immer so weitermachen.
Das bedeutet nicht, dass mit mir etwas grundsätzlich falsch ist. Es bedeutet nur, dass ich genauer hinsehen möchte.
Ich möchte verstehen, warum ich in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich denke oder handle. Ich möchte erkennen, was wirklich zu mir gehört und was vielleicht aus alten Erfahrungen, Ängsten oder Gewohnheiten entstanden ist. Und ich möchte herausfinden, was sich verändern darf, ohne dass ich mich selbst dabei verliere.
The Portal soll mir nicht sagen, wer ich werden muss. Ich wünsche mir vielmehr, dass diese Reise mir dabei hilft, bewusster zu erkennen, wer ich bereits bin – und was mich noch daran hindert, entsprechend zu leben.
Der Termin ist bereits ein Teil der Veränderung
Vielleicht beginnt die eigentliche Veränderung gar nicht erst mit einer großen Erkenntnis aus dem Kurs. Vielleicht beginnt sie schon damit, dass ich mir diese Zeit überhaupt nehme.
Dass ich sage: Dieser Termin ist mir wichtig.
Dass ich meinen Kindern mitteile: Jetzt bin ich eine Weile nicht verfügbar.
Dass ich nicht erst warte, bis alles andere erledigt ist. Denn dieser Moment wird vermutlich niemals kommen. Es wird immer noch eine Aufgabe, eine Idee, eine Nachricht oder etwas im Haushalt geben.
Wenn meine persönliche Entwicklung nur dann stattfinden darf, wenn wirklich nichts anderes mehr zu tun ist, wird sie immer wieder nach hinten rutschen.
Mit den festen Portal-Terminen behandle ich mein eigenes Anliegen nicht mehr wie etwas, das irgendwann vielleicht noch in den Tag passt. Ich gebe ihm einen Platz.
Das fühlt sich noch ungewohnt an. Aber es fühlt sich auch richtig an.
Nicht jede Zeit für mich muss still sein
Dabei habe ich noch etwas verstanden: Zeit für mich muss nicht immer bedeuten, still auf dem Sofa zu sitzen, zu meditieren oder eine Stunde lang überhaupt nichts zu tun.
Vielleicht entspricht diese Vorstellung einfach nicht vollständig meiner Art.
Meine Zeit kann auch darin bestehen, an einer Live-Session teilzunehmen, in mein Notizbuch zu schreiben, über eine Frage nachzudenken oder eine Aufzeichnung anzuschauen. Sie darf aktiv sein. Entscheidend ist nicht, ob ich dabei stillsitze oder etwas tue. Entscheidend ist, wem diese Zeit gehört und wofür ich sie nutze.
SAHAMA entspannt mich, weil ich dabei etwas Eigenes erschaffe. The Portal ist Zeit für mich, weil ich mich darin bewusst mit meiner eigenen Entwicklung beschäftige. Beides darf nebeneinander bestehen.
Vielleicht muss ich mich also nicht dazu zwingen, plötzlich ein Mensch zu werden, der stundenlang regungslos dasitzt und dabei vollkommen abschaltet. Vielleicht darf ich stattdessen herausfinden, welche Form von Ruhe und Selbstfürsorge wirklich zu mir passt.
Mein nächster kleiner Schritt
Für die nächsten Wochen möchte ich beobachten, was diese festen Termine mit mir machen.
Halte ich meine eigene Zeit tatsächlich frei? Wie gehe ich damit um, wenn etwas dazwischenkommt? Verschiebe ich die Aufzeichnung immer weiter oder suche ich bewusst einen neuen Termin? Und gelingt es mir nach und nach, nicht nur körperlich anwesend zu sein, sondern mich wirklich auf diese Zeit einzulassen?
Ich erwarte nicht, dass nach drei Wochen alle alten Muster verschwunden sind. So funktioniert Veränderung nicht. Manche Dinge erkennen wir schnell, andere zeigen sich erst später, und einige brauchen vermutlich mehrere Anläufe.
Aber ich habe begonnen, meiner eigenen Veränderung einen festen Platz zu geben.
Vielleicht ist das noch kein riesiger Schritt. Für jemanden, der selbst bei der ersten Tasse Kaffee schon wieder tausend Dinge gleichzeitig macht, ist es aber auch kein ganz kleiner.
Wie ist es bei dir? Gibt es in deinem Kalender einen Termin, der wirklich nur dir und deinen Bedürfnissen gehört? Falls nicht, musst du nicht gleich einen ganzen freien Tag organisieren. Vielleicht beginnst du mit dreißig Minuten, die du genauso ernst nimmst wie einen Termin für jemand anderen.
Wenn du meine Neustart-Reise von Anfang an begleiten möchtest, findest du hier den ersten Beitrag: Mit 49 beschlossen, mit 50 neu anzufangen: Warum jetzt?
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